CV
  • 1964 in Magdeburg geboren und aufgewachsen,
    dann Studium und Arbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin,
    später Umzug nach Hillmersdorf (Brandenburg),
    dort zwei Töchter groß gezogen
    und nun seit 2007 ansässig in Bremerhaven
  • Entdeckung der Eisenbildhauerei in 2002
  • freischaffende Künstlerin in eigener Atelierwerkstatt feuerWERK seit 2004,
    seither vielfältige Ausstellungstätigkeit,
    Werke in kirchlichem, öffentlichem wie privatem Besitz
  • Kunstpädagogin für die Kulturelle Bildung
    (Ästhetische Bildung an Jugendkunstschulen und Ganztagsschulen) seit 2018
  • Gastdozentin an der Akademie der Kulturellen Bildung/Remscheid seit 2019
  • Eröffnung der FEUERwerkSTATT – Die mobile Schmiede.Kurs.Werkstatt in 2020

Ich habe im Eisen meine Wurzeln und meinen Ausdruck gefunden, arbeite aber ebenso graphisch und illustriere meine eigenen Texte und Gedichte.

Eines ist und bleibt allerdings allen Arbeiten gemein:
Sie greifen auf innere Bilder zurück.
Ausgangspunkt sind u.a. mythologische Themen (siehe „Phönix“, „Charon“, „Sysiphos“, „Ikarus“ …), auch Gedichte (Projekt „Selma“, „Ecce homo“), ebenso auserlesenes Erlesenes („Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“) und Selbsterfahrenes („La pasión del Tango“, „Überfahrt – eine Ausstellung zum Thema Sterben“).

Ausstellungsvita

Studienreisen

Studienreisen führten mich an mehrere außergewöhnliche Orte, deren Stimmungen und Erlebnisse noch lange in mir nachhallten und sich natürlich auch in Werken niederschlugen und bis heute niederschlagen.

So war ich Mitglied der Expedition MSM24 (Dezember 2012 – Januar 2013) und daher mit dem RV MARIA S. MERIAN im Südatlantik unterwegs. Höhepunkt hier war mein mehrtägiger Aufenthalt auf TRISTAN DA CUNHA.

Darüber hinaus bereiste ich mehrmals Botswana (2011/2012/2015), bekam dort einen Setswana-Namen geschenkt und trage Land, Licht und Leute tief in meinem Herzen mit mir.

Warum ich mich über Eisen ausdrücke
Zunächst eine kleine Anekdote aus dem Jahr 2005

Eines Tages gesellte sich in meiner Ausstellung eine Schülerin zu mir, zündete sich lässig eine Zigarette an und sagte:
„Wissen sie, Frau Leu, wenn ich etwas fühle oder sagen will, dann schreibe ich ein Gedicht. Und Sie schmieden halt.“
Wir beide haben uns verstanden und blieben still nebeneinander stehen …

Mit eigenen Worten ausgedrückt:

Eine Bewegung, eine Gestik, eine Mimik, ein Blick
Ein Gedicht, ein Vers, eine Zeile, ein Wort
Erlebtes, Erdachtes, Erfühltes, Erträumtes

Gefühlt
Gesehen
Gehört
Gemundet
Gewittert

Die Tür zur Schmiede – offen
Das Feuer in der Esse – lodernd
Der Amboss – klingend

Den Hammer in der Hand
Die Skulptur in Kopf, Herz und Seele
Den Weg bahnend von innen nach außen

Erspürend
Erspähend
Erlauschend
Erschmeckend
Erschnuppernd

Meine Sinne mit mir
Mein Erlebtes, Erdachtes, Erfühltes, Erträumtes
Mein ICH schmiedet sich

 

H.L. (2012)

Presse-/Stimmen

Diese kleine „Presseschau“ erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit; es werden lediglich exemplarische Beiträge aufgenommen.

„DIE FÜNFTE DIMENSION DER LINIE“ | Arbeitnehmerkammer Bremerhaven | 2020
„… die Texte laden ein, Neues zu entdecken und Gewohntes anders wahrzunehmen. … Bei Hilke Leu fangen sogar die Worte an zu tanzen.“
Zur vollständigen Kritik in der Nordsee-Zeitung vom 09. März 2020 geht es HIER.

ÜBERFAHRT – eine Ausstellung zum Thema Sterben | Kulturkirche Bremerhaven | 2018
„Die meisten wollen ihn nicht hineinlassen in ihr Leben. Sie verdrängen den Tod Tag um Tag, Jahr um Jahr, tun so, als würde er nie bei ihnen anklopfen. Wenn er es doch tut, empfangen sie ihn wie einen unangenehmen Hausgast, der möglichst schnell wieder verschwinden soll.
Eine, die sich nicht wegduckt, sondern genau hinschaut, ist die Bildhauerin Hilke Leu. Ihre Skulpturen … fordern den Betrachter heraus, Stellung zu beziehen: zum Sterben, aber auch zum Leben.“
Zur vollständigen Kritik in der Nordsee-Zeitung vom 23. März 2018 geht es HIER.

MUSIK FÜR GEIGE UND AMBOSS | Lange Nacht der Kultur | Bremerhaven | 06. Juni 2016
„Total schweißtreibend … entstanden rotglühende Eisennoten, die Leu einzelnen Komponisten widmete. Aber auch filigrane rhythmische Figuren gelangen … im Avantgarde-Konzert. …“
Zur vollständigen Kritik in der Nordsee-Zeitung vom 06.Juni 2016 geht es HIER.

OPEN SHIP | MARIA S. MERIAN | September 2013
Zum Ausstellungshinweis geht es HIER.

IN EISEN GEFASSTE BILDER | Laufpass | Februar 2013
„Zart und klein ist sie, und trotzdem sind ihre Schläge auf den Amboss kräftig, das Geräusch des Metalls ist Musik für sie. Zerbrechlich wirkende Gebilde entstehen unter ihren Händen, schweben engelhaft von der Decke oder tanzen graziös im Dreiklang. Für Hilke Leu sind ihre Objekte innere Bilder und Gefühle, in Eisen gefasst. Inspiration gibt ihr ein hingeworfenes Wort, eine Gedichtzeile, die Mimik eines Vorübergehenden, eine wahrgenommene Geste.“

BÜRGERLICHE ARTEFAKTUR | Verlage Eigene Werte | November 2011
„Wenn z.B. Hilke Leu zum Schmieden in die Werkstatt geht, dann fällt die Welt von ihr ab und sie versinkt in ihre Arbeit. So etwas ist in einem offenen Atelier nicht möglich. Andererseits können direkte Kontakte mit dem Publikum auch herzerfrischend sein, wie sie berichtet.“

KUNSTRAUM Geestemünde, BHV | Eintrag Blogspot | 2010
„Die eigentlich schweren Materialien der Künstlerin Hilke Leu wirken fragil und zerbrechlich. So schweben Frauengestalten dahin, als seinen sie Federn.“

ZWISCHEN FEUER UND AMBOSS | Lausitzer Rundschau 2005
„Wer Hilke Leu am Feuer beobachtet, bekommt das Gefühl, dass die Frau, während das Werkstück glühend heiß und geschmeidig wird, selbst in eine andere Form des Hier-Seins wechselt – in eine meditative. Vielleicht, um dem Material nahe zu sein, es zwar zu biegen, in eine neue Form zu bringen, aber es nicht zu verbiegen, so dass es ungewollt auseinander bricht.“

Besucherbuch & Laudatio | Beispiele

Ausstellung Herzberg/Elster | 2005

Was ist Kunst?
„Die äußere Darstellung eines inneren Vorgangs“ – antwortet Barlach.
Was hier zu sehen ist, ist Kunst! So herrlich elementar und hochpoetisch.

Friedrich Schorlemmer | 11.9.2005

Rede zur Ausstellungseröffnung | KunstRaum | November 2010

Vor einiger Zeit las ich in einem Käseblättchen ein erstaunliches und erfreuliches Interview mit einer bekannten Schauspielerin. Sie verkörpert häufig erhabene, auf Repräsentation getrimmte Charaktere. Diese Frau erzählte unverblümt, dass sie durch keine Tür gehen kann, ohne sich an den Rahmen zu stoßen. Ich dachte sofort: Wie ungeheuer sympathisch! Denn in meiner Eile, meiner Zerstreutheit oder wie auch immer – Gründe findet man immer genug – rempele ich regelmäßig auch die armen Türrahmen an. Ab und zu erwischt es auch die Ecken der Tischplatten. Ich hatte bisher immer angenommen, meine blauen Flecken reibend, dass mir vielleicht Ballett-unterricht in der Kindheit gutgetan hätte. Dass ich einen erhabeneren Gang einüben müsste. Aber nun wusste ich: das liegt einfach in der Natur der Dinge.

Nur – was ist die Natur der Dinge? In diesem Raum stehen viele Dinge, deren Ursprung im Feuer und in der Erde liegt. Eigentlich fallen mir beim Stichwort Eisen die Worte schwer, kantig, sperrig ein. Eigentlich also gehört das in die Kategorie, die sich an Türrahmen stößt. Wenn ich aber Hilke Leus Figuren anschaue, weiß ich ganz genau, dass, wäre ihnen Leben eingehaucht, sie niemals etwas anstoßen würden. Schweben, tänzeln, rauschen, das sind die Wörter, die mir ganz deutlich beim Anblick dieser Figuren einfallen. Und das, obwohl ihnen ihre Natur, ihre Materie ebenfalls ganz deutlich anzusehen ist! Diese Gleich-zeitigkeit der Gegensätze, die sich aufs Harmonischste auflöst, ist Hilke Leu ganz vorzüglich gelungen.

Man muss das mal in Worte fassen: eine Figur, deren ausgesprochene Weiblichkeit zum Anfassen, Streicheln, Tätscheln nur so einlädt, und die aus kaltem, harten Metall besteht; ein in seiner Schwere zum Kentern verurteiltes Boot, das über dem Fluss nur so schwebt; schmetterlingsgleiche, ungeheuer zarte Engelflügel, die ihr früheres Leben als Sägeblatt nicht verleugnen können. Es ist – unter anderem – diese geglückte Synthese des scheinbar Unvereinbaren, was die Kraft und die Lebendigkeit von Hilke Leus Figuren ausmacht.

Darüber hinaus wählt die Künstlerin ihre Themen genau da, wo sie jeden von uns ansprechen. Eros und Thanatos, Liebe und Tod, Engel und Teufel, Frau und Mann. Aber indem sie diese Archetypen bedient, fügt sie ihnen eine eigene, unerwartete Seite hinzu. Das Totenschiff, an sich bedrohlich, ist von leichtem, einladenden Aussehen. Die einsame Figur, deren Zwilling sich von ihr getrennt hat, und bei der man Schmerz vermuten könnte, steht innerhalb eines Geborgenheit spendenden Kreises. Der schreitende Prinz, dessen Körperhaltung Edelmut und Freiheit suggeriert, bewegt sich in einem Laufrad. Es sind Archetypen, in der Form auf das Wesentliche reduziert, und daher die reinsten Projektionsflächen. Und jede steht stellvertretend für uns vor einer zentralen Entscheidung: für das Leben? für die Liebe? für die Freiheit?

Ich habe versucht herauszufinden, warum ich diese Figuren so gelungen finde. Warum ich sie immer wieder anschauen kann. Warum sie mich so ansprechen. Ihnen geht es hoffentlich genauso.

Christine Müller-Hanssen